Kosten & Finanzierung

Mieten, kaufen oder bauen? Warum Familien in Berlin und Brandenburg 2026 neu rechnen sollten

Die Mieten steigen, die Kaufpreise kaum, die Bauzinsen liegen über 4 Prozent. Warum sich die Frage nach dem Eigenheim nur mit einer ehrlichen Gesamtrechnung beantworten lässt.

Kurz gesagt: Die Mieten steigen derzeit deutlich schneller als die Kaufpreise. Gleichzeitig sind die Bauzinsen im Herbst 2026 auf über 4 Prozent gestiegen. Für Investoren ist das ein schwieriges Umfeld. Für Familien, die 15 bis 20 Jahre oder länger an einem Ort bleiben wollen, kann die Rechnung zwischen Mieten und Bauen trotzdem anders ausfallen als vor wenigen Jahren. Ob sie aufgeht, entscheidet nicht die Schlagzeile, sondern die Gesamtrechnung aus Grundstück, Haus, Baunebenkosten und Finanzierung.

Zwei Schlagzeilen, ein Markt

Anfang Oktober 2026 erschienen zwei Beiträge, die kaum gegensätzlicher klingen könnten.

In der WELT beschreibt Michael Fabricius das „Ende der goldenen Immobilien-Ära“. Seine Befunde:

  • Nach dem Zins- und Inflationsschock von 2022 trifft die Branche nun eine zweite Welle steigender Zinsen. Die Jahre billigen Geldes sind endgültig vorbei.
  • Wer heute baut oder investiert, hat es mit Kostenstrukturen zu tun, die sich seit 2020 teilweise verdoppelt haben.
  • Staatsanleihen werfen im Euroraum inzwischen über 4 Prozent ab. Immobilienprojekte müssen Investoren deshalb deutlich mehr bieten, um überhaupt Kapital einzusammeln.
  • Nach Einschätzung der im Beitrag zitierten Marktexperten wird die Nachfrage nach Häusern und Grundstücken sinken, und zwar zu den hohen Preisen der Vergangenheit.
  • Olaf Demuth von der Zech Group sagt dort, viele Unternehmen kämen kaum noch an den Punkt, ab dem sich der Start eines Projekts überhaupt rechnet.

Wenige Tage zuvor kam der Immobilienmakler Arndt Gerhardts in einem Gastbeitrag bei FOCUS Online zu einem scheinbar gegenteiligen Ergebnis. Weil die Mieten deutlich schneller steigen als die Kaufpreise, lohne es sich für viele Haushalte, die Eigentumsfrage neu zu rechnen. Eine pauschale Kaufempfehlung gibt er ausdrücklich nicht.

Beide Beobachtungen stimmen. Sie beschreiben unterschiedliche Seiten desselben Marktes. Fabricius beschreibt vor allem die Situation von Investoren und Projektentwicklern. Deren Kalkulationen geraten durch höhere Finanzierungskosten, gestiegene Projektkosten und attraktive Anlagealternativen unter Druck. Gerhardts schaut auf private Haushalte, die irgendwo wohnen müssen und deren Wohnkosten so oder so steigen. Geschäftsmodelle, die stark auf günstiger Finanzierung und fortlaufenden Wertsteigerungen beruhten, funktionieren unter den neuen Bedingungen deutlich schlechter. Wer selbst einziehen will, findet dagegen womöglich eine bessere Ausgangslage vor als in den Jahren des Preisrauschs.

Nicht das Eigenheim hat ausgedient, sondern die alte Kalkulation. Jahrelang haben steigende Grundstückswerte und Niedrigzinsen viele Fehler im Budget überdeckt. Das funktioniert heute nicht mehr, im Berliner Umland mit seinen hohen Grundstückspreisen schon gar nicht. Wer baut, sollte deshalb so rechnen, dass das Haus auch ohne Wertsteigerung zur eigenen Lebensplanung passt.

Sirko Schladitz, Geschäftsführer KLINKER HAUS

Was die Zahlen tatsächlich zeigen

Mieten: kräftig steigend, vor allem bei Neuverträgen

Grundlage der FOCUS-Argumentation ist der Wohnindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für das zweite Quartal 2026. Danach verteuerten sich Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorjahr um jeweils nur 0,8 Prozent. Die Angebotsmieten stiegen dagegen bundesweit um vier Prozent und damit deutlich stärker als die Inflation von 2,6 Prozent.

Wichtig ist der Begriff „Angebotsmiete“. Das IW wertet inserierte Kaufpreise und Neuvertragsmieten aus. Die vier Prozent treffen also vor allem Haushalte, die umziehen und einen neuen Mietvertrag abschließen. Wer seit Jahren in derselben Wohnung lebt, zahlt in der Regel weniger und erlebt langsamere Erhöhungen. Deshalb fällt die Rechnung für jede Familie anders aus.

Kaufpreise: seitwärts statt aufwärts

Auf dem Kaufmarkt hat sich das Bild gedreht, und hier treffen sich beide Ausgangsartikel. Das IW beschreibt einen Markt, in dem viele Kaufangebote auf eine durch die Finanzierungskosten begrenzte Nachfrage treffen. Bei Mietwohnungen ist es umgekehrt: Hohe Nachfrage trifft auf knappes Angebot. Bundesweit werden bei Ein- und Zweifamilienhäusern rund 140 Prozent mehr Objekte inseriert als im ersten Quartal 2022.

Das passt zu der Erwartung der Marktexperten im WELT-Beitrag, dass die Nachfrage zu den hohen Preisen der Vergangenheit sinkt. Gemeint ist nicht, dass niemand mehr Häuser oder Grundstücke kaufen will, sondern dass die früheren Preise schwerer durchzusetzen sind. Mehr Auswahl und kaum steigende Preise bedeuten für Käufer eine andere Verhandlungsposition als vor vier Jahren.

Bauzinsen: über 4 Prozent und zuletzt wieder steigend

Bei den Finanzierungskosten hat sich die Lage im Herbst 2026 verschärft. Michael Höfling berichtet in einem weiteren WELT-Beitrag („Von 1,5 auf über 4 Prozent – so entschärfen Sie jetzt den Bauzins-Schock“, 6. Oktober 2026) über die Durchschnittszinsen für zehnjährige Zinsbindungen. Laut Europace lagen sie im Oktober bei 4,22 Prozent, die FMH-Finanzberatung meldet sogar 4,55 Prozent. Hintergrund ist der Anstieg der Renditen am Anleihemarkt: Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert mit über 3,6 Prozent, Ende Februar waren es noch 2,64 Prozent. Die dort zitierten Finanzierungsexperten rechnen nicht mit einem schnellen Rückgang.

Der Interhyp-IW-Erschwinglichkeitsindex hatte schon im Sommer festgestellt, dass der Markt stark zinssensitiv bleibt und Abwarten nicht zwangsläufig zu besseren Bedingungen führt. Wer auf deutlich niedrigere Zinsen wartet, wettet also auf eine Entwicklung, die niemand seriös vorhersagen kann. Umgekehrt gilt: Wer heute finanziert, muss mit diesem Zinsniveau rechnen und darf nicht auf baldige Entlastung bauen.

Berlin und Brandenburg sind nicht der Bundesdurchschnitt

Bundesweite Zahlen klingen beruhigend. Im Juni 2026 lag der Interhyp-IW-Erschwinglichkeitsindex bei 103 Punkten. Damit ist der Erwerb eines Einfamilienhauses im Bundesdurchschnitt knapp erschwinglich. Ein Wert von 100 bedeutet, dass ein typischer Modellhaushalt mit zwei Kindern höchstens 35 Prozent seines Nettoeinkommens für die Kreditrate aufwenden muss.

Für unsere Region gilt dieser Durchschnitt ausdrücklich nicht. Der Index weist für Juni 2026 aus:

RegionIndex (Juni 2026)Anteil der Rate am Nettoeinkommen
Deutschland103ca. 36 %
Berlin8541 %
Barnim8143 %
Dahme-Spreewald8442 %
Märkisch-Oderland8939 %
Oberhavel8939 %
Potsdam-Mittelmark7547 %
Havelland7248 %

Quelle: Interhyp-IW-Erschwinglichkeitsindex 2026, Übersicht aller Landkreise. Stand Juni 2026, also vor dem jüngsten Zinsanstieg.

Im Umland der sieben größten Städte, zu denen Berlin gehört, liegt der Index bei 89 Punkten, das Annuität-Einkommensverhältnis beträgt 40 Prozent. Rechnerisch ist ein Einfamilienhaus im Berliner Umland für einen Durchschnittshaushalt also eher nicht erschwinglich. Da die Bauzinsen seit Juni weiter gestiegen sind, dürfte die Belastung heute eher höher liegen.

Zwei Einschränkungen gehören zu dieser Zahl. Erstens bildet der Index den Kauf bestehender Häuser ab, keinen Neubau auf eigenem Grundstück. Zweitens berücksichtigt er Nebenkosten des Erwerbs, regionale Förderprogramme, steuerliche Effekte oder individuelle Ausgabenprofile nicht. Er zeigt also eine Tendenz, keine Entscheidung für Ihren Einzelfall. Die Botschaft ist trotzdem klar: Wer im Berliner Umland Eigentum schaffen will, hat weniger Spielraum als ein Haushalt im Bundesdurchschnitt. Umso wichtiger ist eine genaue Planung.

Warum „1.500 € Miete gegen 2.000 € Rate“ zu kurz gedacht ist

Viele Familien vergleichen zunächst nur die aktuelle Monatsbelastung. 1.500 Euro Kaltmiete wirken angenehmer als 2.000 Euro Kreditrate; ein ähnliches Beispiel mit 1.600 Euro Miete nutzt auch der FOCUS-Beitrag. Diese Sicht ist verständlich, aber zu kurz. Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, warum.

Annahmen: Kaltmiete heute 1.500 € pro Monat, Mietsteigerung 2 % bzw. 3 % pro Jahr, Kreditrate 2.000 € pro Monat, Sollzins 4,5 %, Anfangstilgung 2,0 %, Betrachtungszeitraum 15 Jahre.

Die Miete bleibt nicht stehen

Kaltmieteheutenach 5 Jahrennach 10 Jahrennach 15 Jahren
bei 2 % pro Jahr1.500 €1.656 €1.828 €2.019 €
bei 3 % pro Jahr1.500 €1.739 €2.016 €2.337 €

Die Kreditrate bleibt während der Zinsbindung konstant bei 2.000 Euro. Bei 3 Prozent Mietsteigerung erreicht die Miete diese Marke nach knapp zehn Jahren (rund 9,7 Jahre), bei 2 Prozent nach rund 14,5 Jahren. Danach liegt die Miete über der Rate, und der Abstand wächst weiter.

Wie sich Miete und Kreditrate über 15 Jahre entwickelnLiniendiagramm: Eine Kaltmiete von 1.500 Euro steigt bei 3 Prozent pro Jahr nach knapp zehn Jahren über eine feste Kreditrate von 2.000 Euro, bei 2 Prozent nach rund 14,5 Jahren.Wie sich Miete und Kreditrate über 15 Jahre entwickelnKaltmiete 1.500 € mit 2 % bzw. 3 % Steigerung pro Jahr, Kreditrate 2.000 € fest in der Zinsbindung1.400 €1.600 €1.800 €2.000 €2.200 €2.400 €0123456789101112131415Jahrenach ca. 9,7 Jahrennach ca.14,5 JahrenMiete +3 %: 2.337 €Kreditrate: 2.000 €Miete +2 %: 2.019 €Eigene Berechnung KLINKER HAUS. Beispielannahmen, gerundet.
Wie sich Miete und Kreditrate über 15 Jahre entwickelnLiniendiagramm: Eine Kaltmiete von 1.500 Euro steigt bei 3 Prozent pro Jahr nach knapp zehn Jahren über eine feste Kreditrate von 2.000 Euro, bei 2 Prozent nach rund 14,5 Jahren.Wie sich Miete und Kreditrate über15 Jahre entwickelnKaltmiete 1.500 € mit 2 % bzw. 3 % Steigerung pro Jahr,Kreditrate 2.000 € fest in der Zinsbindung1.400 €1.600 €1.800 €2.000 €2.200 €2.400 €051015Jahrenach ca. 9,7 Jahrennach ca.14,5 JahrenMiete +3 %2.337 €Kreditrate2.000 €Miete +2 %2.019 €Eigene Berechnung KLINKER HAUS. Beispielannahmen, gerundet.
Die Miete startet niedriger, steigt aber Jahr für Jahr. Die Kreditrate bleibt in der Zinsbindung gleich. Eine heute günstigere Miete ist deshalb nicht automatisch dauerhaft günstiger.

Ein Teil der Rate ist Vermögensaufbau

Bei 4,5 Prozent Zins und 2 Prozent Anfangstilgung entspricht eine Rate von 2.000 Euro einem Darlehen von rund 369.000 Euro. Im ersten Monat fließen davon etwa 1.385 Euro in Zinsen und etwa 615 Euro in die Tilgung. Weil die Restschuld sinkt, verschiebt sich das Verhältnis Monat für Monat zugunsten der Tilgung. Nach zehn Jahren sind rund 93.000 Euro getilgt, nach 15 Jahren rund 158.000 Euro.

Die Kreditrate ist nicht nur KostenGestapeltes Säulendiagramm: Von einer Monatsrate über 2.000 Euro entfallen im ersten Jahr rund 640 Euro auf die Tilgung und 1.360 Euro auf Zinsen, im 15. Jahr rund 1.200 Euro auf die Tilgung und 800 Euro auf Zinsen.Die Kreditrate ist nicht nur KostenAufteilung der Monatsrate von 2.000 € in Zins und Tilgung, 4,5 % Zins, 2 % Anfangstilgung (jeweils Jahresende)0 €500 €1.000 €1.500 €2.000 €1234567891011121314156411.3591.203797JahrAb Jahr 11 ist die Tilgung größer als der ZinsanteilZinsenTilgung(Vermögensaufbau)Eigene Berechnung KLINKER HAUS. Annuitätendarlehen, gerundet.
Die Kreditrate ist nicht nur KostenGestapeltes Säulendiagramm: Von einer Monatsrate über 2.000 Euro entfallen im ersten Jahr rund 640 Euro auf die Tilgung und 1.360 Euro auf Zinsen, im 15. Jahr rund 1.200 Euro auf die Tilgung und 800 Euro auf Zinsen.Die Kreditrate ist nicht nur KostenAufteilung der Monatsrate von 2.000 € in Zinsund Tilgung, 4,5 % Zins, 2 % Anfangstilgung0 €500 €1.000 €1.500 €2.000 €1510156411.3591.203797JahrAb Jahr 11:Tilgung > ZinsenZinsenTilgung(Vermögens-aufbau)Eigene Berechnung KLINKER HAUS. Annuitätendarlehen, gerundet.
Anfangs besteht die Rate überwiegend aus Zinsen. Mit jedem Jahr wächst der Tilgungsanteil, im 15. Jahr liegt er bei rund 1.200 Euro im Monat. Dieser Teil der Rate baut Eigentum auf.
ca. 369.000 €Darlehen
ca. 158.000 €nach 15 Jahren getilgt
ca. 211.000 €Restschuld nach 15 Jahren

15 Jahre im Vergleich

Nach 15 Jahrengezahlt insgesamtdavon Tilgung (Vermögensaufbau)
Miete, 2 % Steigerungca. 311.000 €–
Miete, 3 % Steigerungca. 335.000 €–
Kreditrate 2.000 €360.000 €ca. 158.000 €

Eigentum ist in diesem Beispiel also zunächst teurer. Von den gezahlten Raten bleibt aber ein erheblicher Teil als getilgtes Darlehen erhalten. Nach 15 Jahren besteht allerdings noch eine Restschuld von rund 211.000 Euro.

Was diese Rechnung nicht zeigt:
  • Instandhaltung und Modernisierung: Eigentümer tragen diese Kosten selbst und brauchen dafür eine Rücklage.
  • Erwerbs- und Baunebenkosten: Sie fallen zu Beginn an und sind in der Rate nicht enthalten.
  • Eigenkapital: Geld, das ins Haus fließt, steht nicht mehr für eine andere Anlage zur Verfügung.
  • Restschuld und Anschlusszins: Nach Ablauf der Zinsbindung ist der Kredit nicht abbezahlt, und der neue Zins ist heute unbekannt.
  • Wertentwicklung: Ob die Immobilie nach 15 Jahren mehr oder weniger wert ist, lässt sich nicht vorhersagen.
  • Individuelle Mietentwicklung: Bestandsmieten steigen oft langsamer als 2 bis 3 Prozent pro Jahr, bei einem Umzug kann es deutlich mehr werden.

Verglichen werden muss, was wirklich anders ist

Grundsteuer und Gebäudeversicherung zahlen Mieter in der Regel über die Nebenkosten mit. Der echte Unterschied liegt woanders: Eigentümer tragen Instandhaltung, Reparaturen und spätere Modernisierungen selbst. Diese Rücklage gehört auf die Eigentumsseite, die Nebenkosten auf beide Seiten.

Das Zinsrisiko endet nicht nach zehn Jahren

Läuft die Zinsbindung im Beispiel nach zehn Jahren aus, bleiben rund 276.000 Euro Restschuld. Wie spürbar das werden kann, zeigt Höfling in seinem WELT-Beitrag am Beispiel von Eigentümern, deren Kredite aus der Niedrigzinsphase jetzt auslaufen. Wer 2016 für zehn Jahre zu 1,5 bis 2 Prozent finanziert hat, muss heute zu Konditionen über 4 Prozent verlängern. Eine längere Zinsbindung oder eine höhere Tilgung verringert dieses Risiko, erhöht aber zunächst die Rate. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Finanzierung beim Hausbau.

Entscheidend ist deshalb nicht die Monatsrate im ersten Jahr. Entscheidend ist die Wohnkostenrechnung über 15, 20 oder 30 Jahre, einschließlich der Frage, was am Ende übrig bleibt.

Rechenbeispiel: eigene Berechnung KLINKER HAUS, Annuitätendarlehen mit monatlicher Verzinsung, gerundete Werte.

Was Eigentum wirklich kostet

Wer bauen will, sollte vor allen Hausentwürfen diese Positionen kennen:

  • Grundstück: Kaufpreis plus Erwerbsnebenkosten, also Grunderwerbsteuer (in Brandenburg derzeit 6,5 %), Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Makler.
  • Erschließung und Grundstücksvorbereitung: Hausanschlüsse, Vermessung, Bodengutachten, je nach Grundstück auch Aushub, Abfuhr oder Mehraufwand bei der Gründung.
  • Haus: Leistungsumfang laut Bau- und Leistungsbeschreibung. Entscheidend ist, was enthalten ist und was nicht.
  • Baunebenkosten: Genehmigung, Statik, Bauversicherungen, Bauzeitzinsen und Bereitstellungszinsen. Einen Überblick gibt unser Beitrag zu den Baunebenkosten beim Hausbau.
  • Außenanlagen: Zufahrt, Terrasse, Zaun, Garten, gegebenenfalls Carport oder Garage.
  • Ausstattung: Küche, Einrichtung, Umzug.
  • Laufende Kosten: Energie, Grundsteuer, Versicherungen und vor allem eine Rücklage für Instandhaltung.
  • Puffer: eine Reserve für Unvorhergesehenes, die nicht schon in der Finanzierung verplant ist.

Viele Rechnungen scheitern nicht am Haus, sondern an diesen Positionen. Wer sie zu spät betrachtet, muss später am Haus sparen oder nachfinanzieren, womöglich zu höheren Zinsen als zu Beginn der Planung.

Nicht das Eigenheim ist zu teuer geworden, häufig passt die Gesamtkalkulation nicht. Grundstückspreise im Umland, Bauzinsen über 4 Prozent und die Baukosten wirken heute gleichzeitig, je nach Ort und Eigenkapital sehr unterschiedlich. Deshalb sollte zuerst das Gesamtbudget feststehen. Erst danach entscheidet man, welches Grundstück und welches Haus dazu passen.

Sirko Schladitz, Geschäftsführer KLINKER HAUS

Was weiterhin für das Mieten spricht

Mieten ist kein Fehler. Für viele Haushalte ist es die bessere Wahl.

  • Flexibilität: Wer beruflich vor einem Wechsel steht oder noch nicht weiß, wo die Kinder zur Schule gehen werden, sollte sich nicht für Jahrzehnte an einen Ort binden.
  • Geringeres Risiko: Mieter tragen kein Zinsänderungsrisiko bei der Anschlussfinanzierung, kein Instandhaltungsrisiko und kein Wertrisiko.
  • Günstige Bestandsmiete: Wer eine vergleichsweise niedrige Altmiete hat, spürt die steigenden Angebotsmieten nur bei einem Umzug. Das IW beobachtet sogar, dass viele Menschen in Wohnungen bleiben, die nicht mehr zu ihrer Lebenssituation passen, weil sie ihre günstige Miete nicht aufgeben wollen.
  • Liquidität: Eigenkapital, das nicht im Haus steckt, bleibt verfügbar. Das setzt allerdings voraus, dass es tatsächlich angelegt und nicht ausgegeben wird.

Mieten kann also die vernünftigere Entscheidung sein, besonders bei kurzer Planungsperspektive oder unsicherem Einkommen.

Für wen Bauen trotzdem sinnvoll sein kann

Eigentum entfaltet seine Vorteile über die Zeit. Ein Hausbau kann vor allem für Haushalte sinnvoll sein,

  • die voraussichtlich 15 bis 20 Jahre oder länger am Standort bleiben wollen,
  • deren Einkommen stabil ist und die eine Rate auch bei veränderten Lebensumständen tragen können,
  • die Eigenkapital einbringen können, mindestens für die Erwerbsnebenkosten und einen Teil des Grundstücks,
  • die eine Wohnsituation suchen, die der Mietmarkt in der gewünschten Lage kaum bietet, etwa ein Haus mit Garten für eine wachsende Familie,
  • und die im Alter mietfrei wohnen möchten.

Gegenüber einem Bestandskauf hat der Neubau einen weiteren Aspekt: die Energieeffizienz. Interhyp und IW haben untersucht, wie stark Häuser mittlerer Effizienz gegenüber sehr effizienten Häusern im Preis abgeschlagen werden. Der Abschlag fällt in Brandenburg mit 5 Prozent bundesweit am geringsten aus. Das deutet darauf hin, dass Käufer hier für energetisch schwächere Bestandshäuser nur wenig weniger zahlen. Das Sanierungsrisiko tragen sie trotzdem. Ein Neubau ist nicht automatisch günstiger, aber diese Kosten sind von Anfang an kalkulierbar.

Grundstückskauf 2026: mehr Spielraum, kein Ausverkauf

Im WELT-Beitrag von Fabricius vertritt Francesco Fedele, CEO des Immobilienfinanzierers BF direkt, die Einschätzung, dass vor allem die Grundstückspreise weiter korrigieren müssten, damit sich neue Projekte zu den heutigen Konditionen wieder rechnen. Das ist die Sicht eines Finanzierers von Projektentwicklungen. Für Berlin und Brandenburg lohnt der Abgleich mit den amtlichen Daten. Einen allgemeinen Preisverfall zeigen sie im Berliner Umland nicht, wohl aber eine Seitwärtsbewegung.

Laut Grundstücksmarktbericht 2025 für Brandenburg zahlten Käufer im Berliner Umland für ein Einfamilienhausgrundstück im Durchschnitt 318 Euro pro Quadratmeter. Im weiteren Metropolenraum waren es 111 Euro, nach 103 Euro im Jahr 2024. Bei der Vorstellung des Berichts hieß es aus dem Innenministerium, die Preise im weiteren Metropolenraum stiegen deutlich, während sie im Berliner Umland stagnierten.

Auch auf Ebene der Gemeinden zeigt sich Bewegung. Im Landkreis Barnim lagen die Bodenrichtwerte zum 01.01.2025 in Bernau (nur Stadtgebiet) bei 250 bis 380 €/m² und in Panketal (Zepernick, Schwanebeck) bei 240 bis 380 €/m². Ein Jahr zuvor reichte die Spanne in Panketal noch bis 440 €/m². Dort sind 35 % der Bodenrichtwerte gesunken, und zwar um 5 % bis 15 %.

Für Grundstückskäufer bedeutet das: Wer nicht unter Zeitdruck steht, hat heute mehr Auswahl und mehr Verhandlungsspielraum als in den Boomjahren. Gute Lagen mit kurzer Anbindung an Berlin bleiben aber gefragt. Wer den „zweiten Ring“ in Betracht zieht, findet deutlich günstigere Grundstücke, muss dafür aber längere Wege einkalkulieren. Bodenrichtwerte sind Durchschnittswerte. Den tatsächlichen Wert eines Grundstücks bestimmen Lage, Zuschnitt, Bebaubarkeit und Erschließung.

Für Grundstückskäufer ist 2026 kein Schnäppchenjahr, aber ein Jahr mit mehr Spielraum. Im Berliner Umland stagnieren die Preise, das Angebot ist größer, und Verkäufer müssen sich bewegen. Gute Lagen bleiben trotzdem teuer. Verhandeln lohnt sich, aber nur mit einer klaren Obergrenze aus der Gesamtrechnung, nicht aus dem Wunsch heraus, endlich zuzuschlagen.

Sirko Schladitz, Geschäftsführer KLINKER HAUS

Erst die Gesamtrechnung, dann Grundstück und Haus

Der häufigste Fehler, den wir in über 25 Jahren Bauen in Berlin und Brandenburg beobachten, ist die falsche Reihenfolge. Viele Familien verlieben sich zuerst in ein Grundstück oder einen Haustyp und rechnen danach. Dann reicht das Budget für das Haus nicht mehr, oder die Finanzierung wird so knapp, dass jede Überraschung zum Problem wird.

Sinnvoller ist diese Reihenfolge:

  1. Finanzierungsrahmen klären: Welche monatliche Belastung ist dauerhaft tragbar, auch bei einem höheren Anschlusszins? Wie viel Eigenkapital steht zur Verfügung? Kommen Förderprogramme wie die Wohneigentumsförderung der ILB infrage?
  2. Gesamtbudget ableiten: Aus dem Finanzierungsrahmen ergibt sich, was Grundstück, Haus, Nebenkosten und Puffer zusammen kosten dürfen.
  3. Grundstück prüfen: Was ist laut Bebauungsplan erlaubt? Wie ist der Baugrund? Welche Erschließungskosten fallen an? Mehr dazu unter Grundstück & Bebaubarkeit und in unserem Beitrag Erst Grundstück, dann Hausvertrag.
  4. Haus planen: Welche Größe brauchen Sie wirklich? Jeder Quadratmeter Wohnfläche kostet Geld, in der Finanzierung wie im Unterhalt. Orientierung geben unsere Seiten zu den Hausbau-Kosten in Brandenburg und zum Vergleich von Hausangeboten.
  5. Entscheiden: erst dann, wenn alle Positionen auf dem Tisch liegen.

Wer so vorgeht, stellt manchmal fest, dass ein kleineres Haus, ein anderes Grundstück oder ein späterer Zeitpunkt besser passt. Das ist kein Misserfolg. Genau dafür ist die Prüfung da.

Fazit: Nicht blind kaufen, aber wieder genau rechnen

Die goldene Immobilienära, in der Wertsteigerung und Niedrigzinsen fast jede Entscheidung im Nachhinein richtig aussehen ließen, ist vorbei. Diesen Befund beschreibt die WELT für Investoren und Projektentwickler. Für das selbstgenutzte Eigenheim ist das aber keine schlechte Nachricht. Die Kaufpreise steigen nicht mehr von allein, die Mieten schon; diesen Punkt betont FOCUS. Auf dem Grundstücksmarkt im Berliner Umland gibt es mehr Spielraum. Gleichzeitig sind die Bauzinsen gestiegen, und die Erschwinglichkeit bleibt in unserer Region angespannter als im Bundesdurchschnitt.

Bauen lohnt sich also nicht immer, und Mieten ist kein herausgeworfenes Geld. Ob ein Hausbau sinnvoll ist, hängt von Grundstück, Finanzierung, Eigenkapital, Lebensplanung und dem gewünschten Haus ab. Vielleicht ist 2026 nicht das Jahr, in dem man blind eine Immobilie kaufen sollte. Es könnte aber ein sehr gutes Jahr sein, um wieder genau zu rechnen. Wie sich das konkret am Beispiel Bernau darstellt, zeigt unser Beitrag Lohnt sich Bauen 2026 noch?

Häufige Fragen

Ist 2026 ein guter Zeitpunkt, um ein Haus zu bauen?

Einen allgemein richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Die Bauzinsen liegen im Herbst 2026 über 4 Prozent, und eine deutliche Entlastung ist derzeit nicht absehbar. Die Grundstückspreise im Berliner Umland stagnieren. Entscheidend ist, ob die Gesamtrechnung für Ihren Haushalt tragfähig ist, nicht der Kalender.

Lohnt sich Bauen bei über 4 Prozent Zinsen überhaupt noch?

Es kann sich lohnen, wenn Sie langfristig am Standort bleiben, ein stabiles Einkommen und Eigenkapital haben und die Rate auch bei einem höheren Anschlusszins tragen können. Bei kurzer Planungsperspektive ist Mieten oft die sicherere Wahl.

Sind die Grundstückspreise in Brandenburg gesunken?

Nicht allgemein. Im Berliner Umland lagen die Baulandpreise 2025 im Durchschnitt stabil bei rund 318 €/m². Im weiteren Metropolenraum sind sie gestiegen. Einzelne Gemeinden wie Panketal haben 2025 teilweise gesunkene Bodenrichtwerte verzeichnet.

Was ist teurer: Mieten oder ein eigenes Haus?

Kurzfristig ist Eigentum meist teurer, weil neben der Rate Erwerbsnebenkosten und Rücklagen für Instandhaltung anfallen. Langfristig kann sich das Verhältnis umkehren, weil die Miete weiter steigt, während der Kredit getilgt wird. Eine belastbare Antwort liefert nur eine individuelle Rechnung über 15 bis 30 Jahre.

Womit sollte ich anfangen, wenn ich über einen Hausbau nachdenke?

Mit Ihrem Finanzierungsrahmen und Ihrem Gesamtbudget, nicht mit einem Haustyp. Daraus ergibt sich, welches Grundstück und welches Haus realistisch zu Ihnen passen.

Passt ein eigenes Haus zu Ihrem Budget?

Dann sollte nicht mit einem Haustyp begonnen werden, sondern mit Grundstück, Anforderungen und Gesamtbudget. Genau diese Punkte können wir gemeinsam prüfen, ohne Verpflichtung und mit ehrlichem Ergebnis, auch wenn es „noch nicht“ lautet. Kostenlose Erstberatung anfragen

Wer sich zunächst einen Überblick verschaffen möchte, findet in unserem Ratgeber „Die sieben teuren Fehler beim Hausbau“ die häufigsten Budgetfallen: Ratgeber herunterladen. Noch auf der Suche nach einem Grundstück? Mit unserem Grundstückssuchauftrag gleichen wir passende Angebote mit Ihren Wünschen ab.

Quellen

  • Michael Fabricius: „Das Ende der goldenen Immobilien-Ära – was Mieter, Eigentümer und Investoren jetzt erwartet“, WELT, 06.10.2026 – welt.de
  • Arndt Gerhardts: „Mieten steigen rasant – und Kaufen wird wieder interessant“, FOCUS Online, 02.10.2026 – focus.de
  • Michael Höfling: „Von 1,5 auf über 4 Prozent – so entschärfen Sie jetzt den Bauzins-Schock“, WELT, 06.10.2026
  • Institut der deutschen Wirtschaft: IW-Wohnindex Q2/2026
  • Interhyp/IW: Interhyp-IW-Erschwinglichkeitsindex 2026
  • Oberer Gutachterausschuss Brandenburg: Quartalsbericht 4/2025 und Grundstücksmarktbericht 2025
  • Gutachterausschuss Landkreis Barnim: Bodenrichtwerte 01.01.2025
Veröffentlicht am
Zuletzt aktualisiert am 7. Oktober 2026
Porträt von Sirko Schladitz

Über den Autor

Sirko Schladitz ist Geschäftsführer der KLINKER HAUS Projekt- und Vertriebsgesellschaft mbH in Bernau bei Berlin und seit 2016 im Unternehmen. Er begleitet Bauherren von der ersten Beratung bis zur Übergabe. Fragen zum Thema? Kostenlose Erstberatung anfragen.

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