20.03.19 11:58 Uhr Alter: 89 Tage

Mythos EnEV! Missverständnisse und Irrtümer rund um die Energieeinsparverordnung (EnEV).

Wir werden in unseren Kundengesprächen immer wieder mit pauschalen Aussagen konfrontiert, was die EnEV alles vorschreibt bzw. verbietet. So zum Beispiel die Aussage, es dürfen nur noch Wärmepumpen eingesetzt werden. Oder Lüftungsanlagen würden vom Gesetzgeber vorgeschrieben sein.

Wir werden in unseren Kundengesprächen immer wieder mit pauschalen Aussagen konfrontiert, was die EnEV alles vorschreibt bzw. verbietet. So zum Beispiel die Aussage, es dürfen nur noch Wärmepumpen eingesetzt werden. Oder Lüftungsanlagen würden vom Gesetzgeber vorgeschrieben sein.

Angehende Bauherren verlieren hier auf Grund der unterschiedlichsten Meinungen schnell die Orientierung. Von daher möchten wir Sie gerne auf einen Fachbeitrag des Bauherren-Schutzbundes hinweisen. Unter der Überschrift „Wohin geht die EnEV? Mythen und Missverständnisse“ wird versucht, etwas „Licht ins Dunkle“ zu bringen.

Ein Blick auf die Grundlagen

Die EnEV2014 ist prinzipiell systemneutral und systemoffen. Sie verpflichtet zur Anwendung bestimmter Normen und Berechnungsregeln, schreibt aber allgemein keine Baustoffe oder Anlagentechniken zwingend vor. Die Nachweissystematik der EnEV geht hauptsächlich von zwei Kennwerten aus: dem Primärenergiebedarf und dem Transmissionswärmeverlust. Diese beiden Kennwerte sind gegen ein definiertes Referenzgebäude zu vergleichen. Der Primärenergiebedarf beschreibt den gesamten Energiebedarf des Hauses unter Berücksichtigung eines sogenannten Primärenergiefaktors. Der Primärenergiefaktor ist nach eingesetztem Energieträger unterschiedlich. Unter dem Transmissionswärmeverlust wird die über die gesamte nach außen abgrenzende Hüllfläche des Hauses (Dach, Außenwand, Fenster, Kellerwände, etc.) verloren gehende Energie verstanden. Diese beiden Kennwerte sind bei der Berechnung gegen ein vorgeschriebenes Referenzgebäude zu vergleichen.

Es darf nur noch mit Außendämmung gebaut werden

Falsch. Grundsätzlich ist die EnEV2014 systemoffen. Mit einer ganzheitlichen Planung unter Berücksichtigung der Wechselbeziehungen zwischen Anlagentechnik (Heizung, Lüftung, Warmwasserbereitung) und Gebäudehülle sowie gegebenenfalls einer Wärmebrückenbetrachtung kann durchaus noch ohne zusätzliche Außendämmung (WDVS) gebaut werden.

Ohne Lüftungsanlage geht nichts mehr

Nicht zwangsläufig. Die EnEV2014 erwähnt im sogenannten Referenzgebäude eine Abluftanlage. Dies bewirkt eine Reduktion des Wärmeverlustes aus der Lüftung und fließt direkt in die Berechnung ein. Werden nun andere Komponenten (Dämmqualität der Hüllfläche oder Anlagentechnik) entsprechend verbessert, kann auf eine Lüftungsanlage im Sinne der EnEV verzichtet werden. Unabhängig vom energetischen Nachweis sind aber die individuellen Bedürfnisse der Bewohner und deren Anliegen zu berücksichtigen.

Gasheizungen dürfen nicht mehr verwendet werden

Grundsätzlich kann nahezu jede Wärmeerzeugungstechnik angewendet werden. Dadurch, dass der Energieträger (hier Gas) mit einem Primärenergiefaktor in die Berechnung und den Vergleich eingeht, kann sich dies mit einem Malus oder einem Bonus auswirken. Gas hat zum Beispiel den Faktor 1,1. Holz hingegen weist den Wert von 0,2 auf. Für ein sonst identisches Haus folgt daraus: Bei Verwendung einer Gasheizung müssen andere in die Berechnung einfließende Komponenten verbessert werden, um die vorgeschriebenen energetischen Werte eines Hauses zu erzielen. Ein Weg ist dabei in der Praxis oft die Solarthermie.

Massivbauhäuser erfüllen die EnEV nicht mehr

Das stimmt nicht: Nicht nur Fertighäuser in Holzständerbauweise sondern auch Massivhäuser aus Mauerwerk können die EnEV erfüllen. Es ist letztendlich Sache einer detaillierten Planung, die einzelnen Komponenten sinnvoll zu kombinieren und ggf. untereinander auszugleichen. Der Mindestwärmeschutz ist dabei immer zu beachten.

Wärmepumpen sind Pflicht

Auch hier lautet die Antwort nein. Wärmepumpen sind nicht das alleinige Mittel, um ein energieeffizientes Gebäude zu erhalten. Bedingt durch die Reduktion des Primärenergiefaktors für Strom von 2,4 auf 1,8 sind Wärmepumpen augenblicklich allerdings besser bewertet als zuvor.

Gebäude müssen stärker gedämmt werden, da dies vorgeschrieben ist

Nein. Wohngebäude müssen durch die neue EnEV nicht unbedingt stärker gedämmt werden. Die sogenannten Referenz-U-Werte der Hüllflächenbauteile wurden mit der EnEV 2014 nicht geändert. Bei ganzheitlicher Betrachtung des Gebäudes kann durch Verbesserungen in der Haustechnik durchaus auch die EnEV eingehalten werden.

Der Energieausweis zeigt genauen Verbrauch an

Der Energieausweis für Neubauten wird immer auf den sogenannten Energiebedarf ausgestellt. Dieser beschreibt letztendlich die Energie, die ein Gebäude unter Normbedingungen benötigt. Weiterhin ist der Energieausweis auf das Referenzklima Potsdam bezogen. Wichtig beim Energieausweis sind darüber hinaus die zugrunde liegenden Berechnungen. Nur mit diesen kann der Energieausweis und dessen Angaben geprüft und nachvollzogen werden.

Die EnEV schreibt dichte Gebäude vor und deshalb schimmeln diese

Die EnEV2014 gibt vor, dass die wärmeübertragenden Umfassungsflächen einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik abgedichtet sind. Gleichzeitig sind aber Gebäude so auszuführen, dass der zum Zwecke der Gesundheit und der Beheizung und damit auch Schimmelvermeidung notwendige Luftwechsel sichergestellt ist.

Diese Wand erfüllt die Vorgaben der EnEV

Grundsätzlich wird das Wohnhaus in Gänze betrachtet. Einzelne Komponenten können die Referenzvorgaben der EnEV erfüllen. Ob dies dann aber für das gesamte Gebäude der Fall ist, ergibt sich aus der Bilanzierung und Bewertung aller Komponenten. Insofern sind alleinige Aussagen zum Beispiel zu Wänden mit Vorsicht zu genießen.

Quelle: Bauherren-Schutzbund e.V.